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Zahlreiche Besucher strömen durch den Eingangsbereich der „Annual Meat Conference“

American Meat Conference (AMC)

Aktuelle Trends in der U.S.-Fleischindustrie

24.03.2026

Insights von der Annual Meat Conference deuten auf anhaltendes Wachstum im Fleischmarkt hin. Vor allem die gestiegene Nachfrage nach Fertig- und Premiumprodukten durch jüngere Verbraucher wie auch neue Vermarktungsformen und Innovationen sind Treiber dieser Entwicklung.

Lesedauer: 6 Minuten

Vier Fachleute diskutieren auf einem Podium der „Annual Meat Conference“

Anfang März fand im Gaylord National Resort & Convention Center in Oxon Hill, Maryland, die Annual Meat Conference statt, die vom Meat Institute und FMI – The Food Industry Association organisiert wurde. Topmanager, Einzel- und Großhändler, Einkäufer von Supermärkten, Gastronomen und Fachleute aus dem Foodservice-Bereich kamen hier zusammen, um sich über Verbrauchertrends, Innovationen der Lieferkette und tierische Proteine auszutauschen.

Neben Vorträgen und Podiumsdiskussionen gab es auf der dreitägigen Veranstaltung auch eine Ausstellung. Im Fokus der Veranstaltung stand alles, was die Branche bewegt: Von sich wandelndem Konsumverhalten bis hin zu Ernährungstrends.

Welche Rolle Fleisch in der U.S.-Ernährung spielt

Ansprachen von Julie Anna Potts, CEO des Meat Institute, und Leslie Sarasin, CEO von FMI – The Food Industry Association, eröffneten die Konferenz. Beide betonten die zentrale Bedeutung der Fleischindustrie für die U.S.-Wirtschaft und das Ernährungssystem.

„Nahezu alle US-Familien sind auf die Fleischindustrie angewiesen, um sich gesund zu ernähren“, sagte Potts und hob die Rolle der Fleischbranche nicht nur für die Lebensmittelproduktion, sondern auch für die kommunale Finanzierung hervor.

Sarasin strich die gesellschaftliche Bedeutung von Lebensmitteln als verbindendem Element hervor. „Lebensmittel sind ein großer Magnet“, stellte sie fest. „In unserer Branche geht es darum, Menschen zusammenzubringen.“ Ihre Ausführungen setzten den Ton für die Konferenz, die sich sowohl auf die wirtschaftliche wie auch die sozio-kulturelle Relevanz von Fleisch fokussierte.

Als Ehrengast der Veranstaltung stellte der U.S.-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Initiativen im Kontext der nationalen Ernährungspolitik vor.

Bezogen auf seine Rolle in der Regierung von Präsident Donald Trump erklärte Kennedy, dass eine neue Expertengruppe mit der Vereinfachung der Ernährungsrichtlinien beauftragt worden sei. „Wir haben weitere Proteinquellen hinzugefügt“, sagte er. „Wir haben die besten Ernährungswissenschaftler des Landes hinzugezogen, um die Ernährungsrichtlinien auf weniger als zehn Seiten zusammenzufassen.“

Kennedy räumte ein, dass es anhaltende Debatten über verarbeitetes Fleisch und Lebensmittel mit hohem Gehalt an Nitrat, Salz und gesättigten Fettsäuren gäbe, betonte jedoch, wie wichtig Protein für die amerikanische Ernährung sei. Wir möchten, dass Amerikaner mehr Eiweiß zu sich nehmen, da so eine bessere Versorgung mit Aminosäuren gewährleistet ist“, sagte er. „Wir tun unser Bestes, um sicherzustellen, dass Eiweiß für jede amerikanische Familie verfügbar ist.“

Ausführlich ging er auf den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheitsförderung ein. Er argumentierte damit, dass Ernährung eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung vieler chronischer Erkrankungen spiele. „Nahrung ist Medizin“, sagte Kennedy. „Sie verfügt über die Fähigkeit, unsere Gesundheit wiederherzustellen.“

Fleisch entwickelt sich besser als andere Einzelhandelskategorien

Eine der Daten lastigsten Veranstaltungen der Konferenz war die Präsentation der Verbrauchertrends von AnneMarie Roerink, Geschäftsführerin von 210 Analytics. Ihr Bericht „The Power of Meat“ bot einen detaillierten Überblick über Kauf- und Konsumgewohnheiten in den USA. Roerink führte das Publikum durch die neuesten Daten des US-Proteinmarkts. Ihre Ergebnisse belegen, dass die Kategorie Fleisch auch in 2025 von Widerstandsfähigkeit und Wachstum gekennzeichnet war.

„Mit einem Wachstum von 2 % beim Absatzvolumen ist Fleisch vorne. Kein anderer Bereich wuchs stärker als die Kategorie Fleisch“, sagte sie und wies darauf hin, dass tierische Proteine ganzjährig eine starke Performance zeigten. Insgesamt belief sich der Fleischumsatz auf rund 112 Milliarden U.S.-Dollar. Gleichzeitig schrumpfte die Kategorie pflanzlicher Proteine. Hier reduzierte sich die Anzahl der Marken von 14 in 2021 auf neun im Jahr 2025.

Innerhalb der Kategorie Fleisch bilde Rindfleisch den wichtigsten Wachstumstreiber. Roerink erklärte, dass dieser Trend vor allem auf jüngere Verbraucher zurückgehe, da sie Rindfleisch vermehrt in ihre Mahlzeiten integrierten. „Immer mehr amerikanische Haushalte essen Rindfleisch“, sagte sie und fügte hinzu, dass das stärkste Wachstum von der Generation Z und  den Millennials ausgehe.

Drei Messebesucher probieren lächelnd frisch servierte Speisen an einem Stand

Auch verarbeitete Fleischprodukte stießen auf Interesse, insbesondere bei jüngeren Käufern, die gerne mit neuen Produkten experimentierten. Laut Roerinks Daten geben 45 % der Millennials an, dass sie gerne unterschiedliche Fleischsorten ausprobieren, darunter auch Bio- oder Weidefleisch. Bei den Babyboomern liegt dieser Anteil nur bei 19 %.

„Das zeigt, dass wir im nächsten Jahrzehnt mit einer anderen Welt konfrontiert sein werden“, sagte sie und deutete an, ass der Generationenwechsel zunehmend Einfluss darauf haben würde, wie Fleischprodukte entwickelt und vermarktet würden. Ein weiterer bemerkenswerter Trend, sei die wachsende Bedeutung von Fleisch in den Kategorien Snacks und Frühstück. Jüngere Verbraucher würden Protein zunehmend mit schnellen und bequemen Mahlzeiten verbinden, was zur Entstehung von Produkten wie Hähnchen-Snack-Cups und Frühstücks-Burritos führe.

Roerink ermutigte Unternehmen zudem, kreativ über Marketingmöglichkeiten im Kontext bevorstehender Großereignisse, wie der FIFA-Weltmeisterschaft, den Olympischen Spielen und dem 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit im Jahr 2026 nachzudenken. „Menschen neigen so gut wie immer dazu, Produkte zu kaufen, die zeitlich begrenzt angeboten werden oder neue Geschmacksrichtungen bieten“, sagte sie.

Trotz allgemeiner wirtschaftlicher Unsicherheit betonte Roerink, dass Verbraucher weiterhin vor allem Proteine kaufen würden. „Wir beobachten eine Neuausrichtung bei den Ausgaben“, stellte sie fest. „Jedoch wenden sich Verbraucher nicht vom Fleisch ab.“

Sie fügte hinzu, dass Technologie eine immer größere Rolle dabei spiele, wie Menschen entschieden, was sie kochten und äßen. Jüngere Verbraucher nutzten häufig Online-Plattformen als Inspirationsquelle für die Mahlzeitenplanung. „Junge Verbraucher finden Inspiration auf Google, in sozialen Medien und bei ChatGPT“, sagte sie. „KI wird dabei helfen zu entscheiden, was auf den Teller kommt.“

Trotz diesem wachsenden Einfluss und sich ändernder Verbrauchergewohnheiten kam Roerink zu dem Schluss, dass ein Faktor konstant bliebe: der Geschmack. „Unterschätzen Sie die Rolle des Geschmacks nicht“, betonte sie. „Menschen werden keine Insekten essen, nur um der Umwelt willen.“

Innovationen bei Produkten, Verpackungen und Lieferketten

Eine Standmitarbeiterin bereitet auf einer Messe frische Burger zu, während sich im Hintergrund zahlreiche Besucher an den Ständen austauschen.

Einer der interessantesten Programmpunkte war die AMC-Messe. Hier präsentierten sich führende Hersteller von Rind-, Geflügel- und Schweinefleisch sowie Unternehmen, „die auf Premium- und Nischenprodukte wie Bison und Ente spezialisiert sind. Produkte wie Hot Dogs, Fleischbällchen und Beef Jerky zeigten Möglichkeiten zur Differenzierung durch hochwertige Zutaten, gesundheitsorientierte Rezepturen und Convenience-Formate auf. Über die reine Produktverkostung hinaus spielte Technologie eine zentrale Rolle auf der gesamten Messe und fungierte als Echtzeit-Marktplatz, auf dem Entscheidungsträger Innovationen und operative Strategien bewerteten.

Von Seiten der Teilnehmer waren neue Methoden zur Produktintegration, zum Verpacken und für den Vertrieb gefragt. Automatisierte Portioniersysteme, intelligente Verpackungs- und Rückverfolgbarkeitslösungen zeigten, wie Unternehmen ihre Effizienz steigern, Abfall reduzieren und gesetzliche Vorschriften besser einhalten können.

Auch Innovationen in der Lieferkette waren ein zentrales Thema. Anbieter von Kühl- und Tiefkühltechnologien präsentierten Lösungen zur Optimierung des Vertriebs, zum Sicherstellen gleichbleibender Produktqualität und zum Senken von Energie- und Betriebskosten.

Gleichzeitig präsentierten Zutaten- und Gewürzhersteller weltweite Geschmackstrends und zeigten, wie man in Einzelhandel, Gastronomie und E-Commerce maßgeschneiderte Produkte für multikulturelle Märkte einsetzt.

Bei sämtlichen Innovationen war Nachhaltigkeit ein zentraler Bestandteil. Biologisch abbaubare Verpackungen, CO₂-sparende Logistiklösungen und energieeffiziente Verarbeitungsanlagen spiegeln einen Wandel in der Branche wider, der sich sowohl auf die betrieblichen Abläufe wie auch die Vermarktung von Produkten auswirkt. Einkäufern und Händlern erhalten so zunehmend die Möglichkeit, Marken stärker zu differenzieren, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und gezielt umweltbewusste Verbraucher anzusprechen.

Eine Branche, die sich verändernden Erwartungen anpasst

Zwei Standmitarbeiter begrüßen Besucher aus einem Food-Trailer mit leuchtendem „Tacos“-Schild auf einer Messe.

Auf der Annual Meat Conference zeigte sich eine immer noch starke Branche, die sich jedoch in einem tiefgreifenden Wandel befindet.

Insbesondere jüngere Generationen bestimmen Nachfrage und Wachstum. Innovation rund um Produkte, Technologie und Lieferketten beeinflussen die Art und Weise, wie Fleisch produziert, vermarktet und konsumiert wird.

Künftig gilt es für Unternehmen, Tradition und sich ändernde Erwartungen in Bezug auf Gesundheit, Convenience und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Der AMC deutet darauf hin, dass die die besten Voraussetzungen haben, die sich schnell an die Veränderungen anpassen werden.

Alle Bilder: FMI - The Food Industry Association

Andre Sulluchuco

Andre Sulluchuco

Lateinamerika-Korrespondent für FoodTech Now!

Kennt sich aus mit der Fleisch- und alternative Proteinindustrie in Mexiko, der Karibik, Mittel- und Südamerika.

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