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Einkaufswagen im Tiefkühlgang eines Supermarkts

Globale Marktdaten, neue Produktkonzepte und veränderte Essgewohnheiten

Schnell, vielfältig, innovativ: Warum der Markt für Convenience-Food weltweit wächst

21.01.2026

Veränderte Lebensstile, Zeitmangel und neue Ernährungsansprüche treiben ein Marktsegment, das weltweit stark wächst. Convenience-Food, wie Fertiggerichte, Tiefkühlkost und Snacks zählen inzwischen zu den dynamischsten Bereichen der Lebensmittelbranche und profitieren von Innovation, Nachhaltigkeitskonzepten und internationalen Konsumtrends.

Lesedauer: 5 Minuten

Moderner Automat für frische Convenience-Lebensmittel
Weltweit kaufen drei von fünf Verbrauchern einmal pro Woche oder häufiger Fertiggerichte ein. Foto: Canva

Convenience-Food ist global betrachtet eine fixe Größe im Alltag vieler Verbraucher. Es hat nicht nur in fast alle im Lebensmittelhandel erhältlichen Sortimente Einzug gehalten. Es erleichtert auch die Arbeit in der Gastronomie und erlebt eine deutliche Aufwärtstendenz. Dabei erfreuen sich pflanzliche und vegane Optionen sowie gekühlte Teigwaren einer steigenden Nachfrage. Bislang schnitt sich Europa mit 41 Prozent den größten Teil vom Convenience-Umsatzkuchen ab. In naher Zukunft erwarten Analysten steigende Wachstumsraten im asiatisch-pazifischen Raum, Nord-, Mittel- und Südamerika.

Weltweit kaufen drei von fünf Verbrauchern einmal pro Woche oder häufiger Fertiggerichte ein, einer von fünf sogar mehr als einmal täglich. Das hat das Marktforschungsinstitut Innova Market Insights in einer Trendstudie ermittelt. 41 Prozent der Befragten geben an, dass Bequemlichkeit ihre Kaufentscheidung stark beeinflusst.

Zur Anuga Chilled & Fresh Food, einer der zehn Fachmessen unter dem Dach der Kölner Fachmesse Anuga 2025, legte Innova Market Insights weitere Marktdaten vor und schreibt der Branche für gekühlte und frische Lebensmittel eine klare Aufwärtstendenz zu. Kontinuierliche Markteinführungen erzielten bei Convenience-Food eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von drei Prozent. Fast die Hälfte der Neuheiten von gekühlten und frischen Lebensmitteln werden in Westeuropa verortet, während Asien die zweitgrößte Region mit einem Anteil von 13 Prozent bildet. Im Zeitraum von 2019 bis 2023 waren Afrika (+11 Prozent) und der Nahe Osten (+7 Prozent) laut Innova die am schnellsten wachsenden Regionen. Bei der Betrachtung einzelner Länder lancierte das Vereinigte Königreich im genannten Zeitraum die meisten Markteinführungen im genannten Zeitraum, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit acht und Frankreich mit sechs Prozent.

Für die kommende Dekade erwartet Towards FnB, ein globales Beratungsunternehmen mit Sitz in Kanada und Indien, weiteres und kontinuierliches Wachstum am Weltmarkt. Die Analysten rechnen im Prognosezeitraum von 2025 bis 2034 mit einem Anstieg der globalen Marktgröße von derzeit circa 460 auf 740 Milliarden Euro. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beziffern sie mit 5,3 Prozent. Während Europa den Markt 2024 mit einem Anteil von 41 Prozent dominierte, werden besonders schnelle Wachstumsraten im asiatisch-pazifischen Raum erwartet, vor allem in Indien, China und Japan, aber aufgrund der etablierten Fastfoodkultur auch in Nordamerika sowie Mexiko und Brasilien.

Die Trends bei Convenience-Food

Weil in erster Linie bei europäischen Verbrauchern das Bewusstsein für gesunde und nachhaltig produzierte Lebensmittel wächst, steigt auch im Markt von Convenience-Food die Nachfrage nach pflanzlichen und veganen Optionen. Ebenfalls im Trend liegen gekühlte Teigwaren. Wie die "Lebensmittel Zeitung" im Juni 2025 nach einer Analyse von NielsenIQ (NIQ) meldet, erzielten Pasta, Gnocchi und Co. im deutschen Gesamtmarkt im Zeitraum April 2024 bis April 2025 im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von 6,9 Prozent. Das registriert auch die in Liechtenstein ansässige Hilcona AG als international agierender Lebensmittelhersteller. Das Unternehmen setzt auf saisonale Pastakreationen und speziell entwickelte Produkte für den Airfryer.

„Der Trend zu Frische-Pasta im Convenience-Segment ist auch bei uns deutlich spürbar. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Kunden an Qualität und Verarbeitung.“

Marius Glaubitz

Neben Bowls mit verschiedenen Zutaten oder Hülsenfrüchten, deren hoher Proteingehalt geschätzt wird, registrieren die Experten von Statista einen gestiegenen Bedarf an Angeboten, die spezifische diätetische Bedürfnisse und Gesundheitsaspekte bedienen, etwa gluten- oder laktosefreie Produkte, besonders eiweißreiche oder solche ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe. Dadurch erhalten die Hersteller gute Chancen, geänderte Verbraucherpräferenzen zu berücksichtigen und sich durch Alleinstellungsmerkmale zu etablieren. So stellt beispielsweise Frosta aus Bremerhaven bereits seit 2003 alle seine Tiefkühlprodukte ohne Zusatzstoffe und Aromen her.

„Zusatzstoffe und Aromen werden in der Lebensmittelindustrie oft eingesetzt, um Kosten zu senken und an hochwertigen Zutaten zu sparen. Beides widerspricht unserem Verständnis von guten Lebensmitteln – deshalb verzichten wir bei Frosta konsequent darauf.“

Felix Ahlers

Wegen ihrer anhaltenden Wachstumsdynamik will sich der Heristo-Konzern mit Hauptsitz in Bad Rothenfelde künftig noch stärker auf gekühlte Fertiggerichte fokussieren. Überdies wolle man das Angebot mit klassischen Gerichten bis hin zu modernen, gesunden und nachhaltigen Varianten erweitern.

„Wir bilden mit den Einzelportionen unserer Marke YOUCOOK weitere Länderküchen im Portfolio ab und tragen damit dem Wunsch des Verbrauchers nach Abwechslung Rechnung“.

Oliver Thorsten Krück

Vom Trend zur medikamentösen Behandlung von Übergewicht will Nestlé mit passenden Convenience-Produkten profitieren: Der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller brachte 2024 unter dem Namen „Vital Pursuit“ verschiedene Tiefkühl-Fertiggerichte mit einem hohen Gehalt an Proteinen, Ballaststoffen und essenziellen Nährstoffen auf den US-amerikanischen Markt. Die Portionen seien auf den Appetit der Benutzer von Medikamenten zur Gewichtsreduktion abgestimmt.

Warum boomt Convenience-Food, und wer sind die Zielgruppen?

Gesunde Meal-Prep-Gerichte in Glasbehältern
Convenience-Food flexibilisiert auch das Essverhalten – feste Essenszeiten und -rituale verlieren an Bedeutung. Foto: Canva

Die Nachfrage nach Convenience-Food wird durch verschiedene Ursachen forciert. Die wichtigsten Treiber sind geänderte Lebensstile bei zunehmender Erwerbstätigkeit, eine steigende Zahl von Haushalten mit doppelten Einkommen, Zeitmangel, fehlende Kochkompetenz und ein Anwachsen der städtischen Bevölkerung. Als oft gewählte Alternative zu Kantinenessen oder Mittagstisch ersetzt es als rasch servierte Abendmahlzeit die immer kostspieligeren Restaurantbesuche. 

Die gestiegene Akzeptanz spiegelt aber auch eine veränderte Haltung zum Kochen wider: Dies ist keine moralische Pflicht mehr. Wegen Kinderbetreuung, Alltagsstress und Homeoffice sind bequeme Lösungen eine legitime Option. Convenience-Food flexibilisiert aber auch das Essverhalten, denn der Konsument orientiert sich nicht mehr an festen Essenszeiten oder -ritualen, sondern an seinen individuellen Bedürfnissen. Dementsprechend konstatieren die Analysten von YouGov in ihrem Report einen Wandel: „Kochen von Grund auf bleibt wichtig, aber es ist nicht mehr der alleinige Standard.“

Die Annehmlichkeiten von Convenience-Food schätzen hauptsächlich die jüngeren Jahrgänge: Jeder dritte Konsument aus der Gruppe der Generation Z und der Millennials greift laut Report mindestens einmal pro Woche zu den bequemen Produkten. Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede: Männer legen deutlich häufiger als Frauen Fertiggerichte in den Einkaufskorb. 

Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Konsumenten zeigt, welche Produkte am häufigsten gekauft werden. 

Grafik: Welche dieser Produktkategorien bei Convenience Food oder To-Go-Produkten kaufst du im Supermarkt am häufigsten?

Was ist Convenience-Food?

Von mundgerecht vorportioniertem Obst und fertig geputztem Salat über vorgekochte Komponenten bis hin zu verpackten Snacks, Bowls oder kompletten Menüs in Schale oder Dose: Discounter und Supermärkte halten ein vielfältiges Angebot an Convenience- oder Fertiggerichten vor. Der Verbraucherzentrale Bundesverband definiert Convenience-Food als gegarte, gewaschene, geschälte und gewürzte Lebensmittel, welche die Küchenarbeit erleichtern oder ersetzen sowie Mahlzeiten beispielsweise als Beilagenkomponente ergänzen. Man unterscheidet zwischen Produkten, die gar- oder verzehrfertig sind, und solchen, die nach dem Aufgießen mit heißem Wasser gegessen werden, etwa Tütensuppen oder Instant-Nudeln. Convenience-Gerichte sind überdies als komplette, vorportionierte Mahlzeit erhältlich, die nur noch in der Mikrowelle, im Airfryer, Backofen, Wasserbad oder auf dem Herd erhitzt werden muss. Als Produktvorteile schätzen Verbraucher die simple Zubereitung bei minimalem Zeitaufwand, weniger Lebensmittelabfälle und eine einfache, an den individuellen Bedarf anpassbare Vorratshaltung bei langer Haltbarkeit. Gleichwohl sind Rezepturen mit einem großen Anteil an Zusatzstoffen, viel Salz und Vitamineinbußen bei industriell hergestellten Menüs nicht unbedingt einer gesunden Ernährung zuträglich. Verbraucher- und Umweltschützer kritisieren außerdem den höheren Energieverbrauch bei der Produktion und den vergleichsweise üppigen Anfall an Verpackungsmaterial aus Plastik, Pappe, Glas und Aluminium.

Im Handel liegen Convenience-Produkte in verschiedenen Verarbeitungsgraden vor:

Chilled Food: Der Begriff steht für gekühlte Frischeprodukte in unterschiedlichen Zubereitungsstufen, die meist vakuumiert oder in Schutzgasatmosphäre verpackt ins Regal kommen. Der Konsument braucht sie nur noch aufzutauen oder zu erhitzen.  Vor allem frische Teigwaren sind sehr beliebt, was das stets wachsende Angebot widerspiegelt.

Tiefkühlkost: Obst, Gemüse, Fast Food wie Pizza oder Burger, Fleisch und Desserts dominieren als schockgefrostete Tiefkühlgerichte den Convenience-Markt. Sie werden meist nährstoffschonend und in der Regel ohne Konservierungsstoffe hergestellt und weisen bei -18 °Celsius eine lange Haltbarkeit auf. Neben küchenfertigen Rohprodukten wie fertig geputztem und zerkleinertem Obst und Gemüse zählen garfertige Produkte wie Fischstäbchen und auch zubereitungsfertige Teilgerichte wie Rahmspinat, Pommes frites oder Bratkartoffeln zu dieser Kategorie.

Fertiggerichte (Ready Meals) und Konserven: Herzhafte oder süße Fertigmenüs, angeboten in unterschiedlichen Verpackungen, weisen eine lange Haltbarkeit auf und sind schnell erhitzt und verzehrfertig.

Monika Mathes

Monika Mathes

Fachjournalistin

Berichtet für Foodtech Now! über Wachstumsmärkte der Fleisch- und Proteinwirtschaft.

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