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Hanna, Teresa und Benjamin (v.l.) (Quelle: Anna Clarks)

Teresa, Hanna und Benjamin

Warum wir essen, was wir essen

30.03.2026

Ein Nachmittag in Hamburg mit gemeinsam gerollten Wraps (vegan, vegetarisch, mit Fleisch) – und einem ehrlichen Gespräch über die Essgewohnheiten der GenZler.

Lesedauer: 7 Minuten

Teresa, Hanna und Benjamin (v.l.)
Teresa, Hanna und Benjamin (v.l.)

Teresa, Hanna und Benjamin, drei Hamburger im Abituralter, also der Gen Z zuzurechnen, essen nicht nach Plan, sie essen im Takt ihres Alltags. Frühstück fällt aus, mittags wird unterwegs gekauft, abends entscheidet der Feed. Zwischen Schulstress, Nebenjob, Freundesgruppe und Doomscrolling entstehen keine stabilen Mahlzeitenroutinen, sondern flexible Essmomente: spontan, sozial und oft snackbasiert. Essen ist damit weniger „feste Versorgung“, sondern ein Mix aus Notwendigkeit, Belohnung, Zugehörigkeit und Selbstdarstellung. Foodtech Now! bat die drei jungen Erwachsenen in eine Hamburger Wohnküche. Aus dem hier wiedergegebenen Gespräch lässt sich erahnen, was so anders ist am Ess- und Konsumverhalten dieser neuen Generation von Verbrauchern. So anders, dass die Marktforscher und die Lebensmittelkonzerne kaum hinterherkommen und sich in Prognosen überschlagen.

„So is(s)t Deutschland 2024“ lautet etwa der Titel der Nestlé/rheingold-Studie1 und zeigt den Widerspruch der Gen Z: Gewünscht sind Gesundheit, Nachhaltigkeit und weniger Fleisch, doch Zeitdruck führt zu Snacks, to-go und Lieferdienst – oft begleitet von schlechtem Gewissen. Nach der Nestlé/rheingold-Studie von 2024 äußern in der Gen Z knapp 30 Prozent Bedenken, Lebensmittel zu essen, die Umwelt oder andere Lebewesen schaden.2 Gleichzeitig weist dieselbe Untersuchung auf die Gegenbewegung hin: 25 Prozent der Gen Z bezeichnen sich als „unbekümmerte Fleischesser“, die nicht reduzieren wollen. Eine weitere Studie von Innova Market Insights zeigt zudem im Bericht „Top 10 Food & Beverage Trends 2025“: Essen wird sozial, digital und trendgetrieben.3 Für die nachfolgende Gen Alpha (ab Geburtsjahr 2010) dürfte sich dieser Mix aus Technologie, Peergroup und situativen Entscheidungen weiter verstärken.

Im Gespräch mit…

Benjamin,19, gerade im Gap-Jahr zwischen Schule und Studium. Er ist Sohn eines Griechen, der bei einem Caterer für nachhaltige Fischprodukte arbeitet.

Hanna, 18, im Abi-Jahr, kommt aus einer großen iranischen Familie und ist mit der sehr fleisch-orientierten persischen Küche aufgewachsen.

Teresa, 18, Abiturientin, ist von ihrer Mutter mit viel Gemüse und vom Vater mit viel Wiener Schnitzel aufgezogen worden und geht nun ihren eigenen Weg – der auch Verzicht bedeutet.

Benjamin (Quelle: Anna Clarks)

Vielleicht ordnet ihr euch mal kurz ein, was eure Essgewohnheiten angeht. Benjamin, magst du anfangen?

Benjamin: Ja. Ich bin ein großer Frühstücksmensch, also wenn Zeit ist. Am Wochenende frühstücke ich richtig gern, ohne Frühstück starte ich ungern in den Tag. Früher, in der Schulzeit, war das alles viel strukturierter: nach Hause, essen, später nochmal essen. Jetzt ist es viel unregelmäßiger, mal hier, mal da. Ich esse auch oft draußen, viel spontan mit Freunden.

Was heißt draußen konkret?

Benjamin: Oft aus Langeweile. Schnell Döner, schnell McDonald’s, Burger King, oder ein neuer Laden, den wir online gesehen haben. Hamburg hat ja ständig neue Spots, und auf TikTok oder Instagram wird das alles extrem gepusht. Dann schickt man sich Videos, sagt „Da müssen wir hin“ und probiert es aus.

Wie würdest du dich einordnen: vegetarisch, vegan, flexitarisch?

Benjamin: Gar nicht streng. Ich esse Fleisch. Meine Eltern achten mehr auf Qualität und Herkunft als ich selbst. Ich weiß schon, was besser wäre, aber ich verzichte nicht konsequent.

Und finanziell? Das kostet ja alles.

Benjamin: Ja, es ist teuer geworden. Aber ich habe einen Minijob, und meine größten Ausgaben sind am Wochenende feiern und essen gehen. Ich gebe wahrscheinlich zu viel für Essen aus und könnte öfter zu Hause essen.

Hanna (Quelle: Anna Clarks)

Hanna, wie ist es bei dir?

Hanna: Bei mir zu Hause wird jeden Tag gekocht, und wir essen sehr viel persisch, das heißt: viel Reis, viel Fleisch. Ich frühstücke eigentlich nie, außer manchmal am Wochenende. Unter der Woche esse ich abends meistens zu Hause. Am Wochenende fast nie. Da schlafe ich lange, gehe raus und esse dann irgendwann draußen, oft erst nachmittags oder sogar nachts.

Du achtest eher auf Menge als auf Art des Essens?

Hanna: Genau. Was ich esse, ist mir relativ egal, ich esse eigentlich alles. Aber ich achte schon darauf, wie viel. Wenn ich weiß, ich esse später sehr fettig, dann esse ich vorher weniger, so als Ausgleich.

Teresa, wie würdest du deinen Alltag beschreiben?

Teresa: Sehr spontan. Ich habe keine festen Essenszeiten. Manchmal frühstücke ich, manchmal nicht, je nach Schultag. Zu Hause esse ich eher gesund, weil meine Mama da sehr drauf achtet. Draußen ist es ungesünder, aber insgesamt ist es für mich eine Balance.

Du lebst vegetarisch?

Teresa: Ja, zumindest bemühe ich mich sehr darum. Ich esse sehr selten Fleisch – aus moralischen und ethischen Gründen, nicht weil ich Fleisch geschmacklich nicht mag. Eigentlich mag ich viele Fleischgerichte sehr gerne. Zum Beispiel Wiener Schnitzel, die hat mein Vater früher immer gemacht. Genau da ist der Konflikt: Ich finde viele Sachen mit Fleisch lecker. Und wenn alle Freunde viel Fleisch essen, ist das nicht immer leicht.

Hanna: Das stimmt. Wir gehen halt ständig essen, Essen ist bei uns ein richtiges Gruppending.

Benjamin: Ja, Essen ist bei uns fast immer Teil vom Treffen.

Hanna und Teresa (Quelle: Anna Clarks)

Es ist eindeutig, dass Essen bei euch auch ein soziales Thema ist.

Teresa: Voll. Nicht nur „Ich habe Hunger“, sondern auch: zusammensitzen, reden, was Neues ausprobieren. Gerade im Winter ist das wichtig.

Was war zuletzt neu und gut?

Teresa: Wir haben in letzter Zeit viel asiatisch gegessen, auch günstige Imbisse ausprobiert. Und wir essen manchmal Korean Fried Chicken. Da gibt’s auch eine vegetarische Variante, frittierten Blumenkohl. Der soll sehr gut sein.

Hanna: Wir haben mittlerweile echt mehrere Asia-Spots, die wir regelmäßig ansteuern.

Kommen wir zum Fleischthema. Es gibt bei vielen das Gefühl: Man weiß, was richtig wäre, macht es aber nicht.

Teresa: Bei mir ist es eher andersrum: Ich halte meinen Anspruch, aber es ist nicht leicht. Vor allem wenn ich unterwegs bin. Viele gehypte Sachen sind fleischlastig und die vegetarischen Alternativen sind nicht immer gleich gut.

Hanna: Ja, total. Rein faktisch weiß ich, vegetarisch wäre besser, fürs Klima, fürs Tierwohl. Ich weiß das alles. Aber ich schaffe den Verzicht nicht. Ich glaube, Geschmack spielt bei mir eine große Rolle, und auch Faulheit. Ehrlich.

Benjamin: Ich kenne das. Viele wissen es und machen trotzdem weiter. Man hat manchmal ein schlechtes Gewissen, aber ändert nicht sofort alles. Ich glaube, das ist bei mir so routiniert: Ich sehe hinter meinem Fleisch oft gar nicht mehr direkt ein Tier.


Hanna: Ich habe sogar schon Videos gesehen, wie Tiere getötet werden, und trotzdem hat das bei mir nicht sofort was verändert.


Benjamin: Ich habe mal mit Freunden einen Hahn selbst geschlachtet, ausgenommen und dann gegessen. Wir dachten erst: „Machen wir locker, Kopf ab, Pfanne, fertig.“ Aber als wir den gefangen und getötet haben, ging’s uns allen richtig schlecht. Erstmal waren alle still, einer ist schlafen gegangen, ein anderer saß nur am Handy.

Wie ging‘s weiter?



Benjamin: Später haben wir ihn zusammen ausgenommen, zubereitet und dann auch gegessen. Das war ein langer Prozess und nicht schön. Seitdem denke ich: Es war wichtig, das einmal gemacht zu haben. Es war viel härter als gedacht. Und irgendwie habe ich seitdem das Gefühl, dass ich „mehr im Recht“ bin, Fleisch zu essen, weil ich selbst einmal ein Tier getötet habe.

Was beeinflusst euch am stärksten: Familie, Freunde, Internet? Wenn Ihr selbst wählt, wie groß ist der Einfluss von Social Media?

Hanna: Sehr viel Einfluss. Teresa und ich gucken dauernd Food Content. Wenn wir ein Gericht sehen, machen wir es manchmal sogar selbst nach. Und wenn wir einen Laden sehen, gehen wir oft auch hin. Wenn wir uns treffen, essen wir fast immer. Dann sagt jemand „Lass da und da hin“, und dann gehe ich mit, auch wenn zu Hause schon gekocht wurde.

Benjamin: Bei mir ist die Reihenfolge: Familie, dann Freunde und zuletzt Internet. Meine Eltern kochen viel, ich esse zu Hause auch gerne, aber unterwegs mit Freunden entscheidet oft der Moment. Zu Hause wird bei uns viel Fisch gegessen. Mein Vater arbeitet in einer Firma, die Fisch vertreibt.

Teresa: Bei mir ist es auch gemischt. Von zu Hause habe ich viel Offenheit mitbekommen, ich esse generell sehr vielfältig. Aber Freunde und Auswärts essen prägen den Alltag stark.

Teresa, Benjamin und Hanna (Quelle: Anna Clarks)

Wie ist euer Verhältnis zu Fleischersatzprodukten?

Benjamin: Ich esse Fleischalternativen eher selten aktiv. Wenn wir grillen und Vegetarier dabei sind, probiere ich schon mal. Manche Sachen sind echt gut.

Hanna: Ich hatte mal eine vegane Wurst, die fand ich richtig schlimm. Vielleicht war’s einfach das falsche Produkt.

Teresa: Ich liebe diese Abteilung im Supermarkt. Ich probiere super gern neue Produkte aus: Burger, Nuggets, Aufschnitt, alles Mögliche. Das kann teuer werden, aber ich habe daran wirklich Spaß. Und manches schmeckt mir inzwischen sogar besser als das Original.

Also einfach Ausprobieren?

Teresa: Genau. Man muss sich da ein bisschen reinfuchsen. Wie bei neuen Foodspots: Nicht alles ist gut, aber manches überrascht total.

Thema Snacks. Gibt es bei euch so „Snackification“, also durch den Tag snacken, statt richtig zu essen?

Benjamin: Bei mir manchmal schon. Hier Nüsse, da Banane, später ein Riegel, aber kein richtiges Essen. Ich mag das eigentlich nicht so, aber es passiert.

Teresa: Ich snacke gern. Vor allem Schokolade, Gemüse mit Hummus, Brot mit Dips, Gummibärchen eher selten.

Hanna: Ich bin weniger ein Snack-Typ. Ich esse lieber eine richtige Mahlzeit als zwischendurch Chips oder so.

Zurzeit wird etwa in Amerika viel über Protein gesprochen, oft verbunden mit mehr Fleisch. Spielt das bei euch eine Rolle?

Benjamin: Ich hatte mal eine Fitnessphase, da kamen online dann dauernd Videos zu Protein und Ernährung. Ich hatte kurz mehr Bewusstsein dafür, aber nicht konsequent mit App und Tracking, wie das propagiert wird.

Hanna: Bei manchen Jungs ist das mehr Thema. Aber ich glaube, oft essen sie Fleisch nicht nur wegen Protein, sondern weil’s ihnen schmeckt.

Teresa: Es gibt auch viele pflanzliche Proteinquellen. Also nur Protein ist für mich kein Argument gegen vegetarisch.

Und Lieferdienste? Wie haltet ihr es damit?

Hanna: Vor allem sonntags nutze ich den Lieferdienst. Wenn man müde ist vom Wochenende bestellt man eher.

Benjamin: Ich bestelle weniger als früher, auch wegen der Preise. Wenn, dann nur mit Angeboten.

Teresa: Ich finde bestellen oft unnötig teuer. Aber es passiert natürlich trotzdem, je nach Situation.

Hanna und Teresa (Quelle: Anna Clarks)

Letzte Runde: Was beschreibt euer Essverhalten am besten?

Benjamin: Flexibel, sozial, spontan. Ich esse gern, probiere gern Neues, bin aber nicht streng in Kategorien.

Hanna: Bei mir: familiär geprägt, viel persisches Essen zu Hause, draußen dann eher spontan und ohne große Regeln.

Teresa: Bei mir: bewusst- und moralisch-motiviert vegetarisch, aber mit echtem Alltagskonflikt, weil Verzicht eben nicht immer leicht ist.

Alle Bilder: Anna Clarks

Michael Hopp

Michael Hopp

Autor in der Foodtech Now!-Redaktion, der mit seinen Geschichten zeigen will, dass Tradition und Innovation zusammengehören.

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