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Interview mit Dirk Liebenberg von ProVeg e.V.

„Preisparität in allen Produktkategorien ist der nächste Meilenstein“

11.06.2026

Dirk Liebenberg ist Head of Corporate Engagement bei der Ernährungsorganisation ProVeg und verantwortet das Programm zum pflanzlichen Proteinausbau im Handel. Im Gespräch erklärt er, was das Ende des Preisaufschlags für pflanzliche Produkte bedeutet und was auf Preisparität folgen muss.

Lesedauer: 2 Minuten

Dirk Liebenberg

Herr Liebenberg, pflanzliche Alternativen galten lange als teurer als tierische Produkte. Nun sprechen Sie von Preisvorteilen. Was hat sich verändert?

Das Preisgefüge hat sich in Deutschland gerade entscheidend verschoben. Die ProVeg-Preisstudie 2025 zeigt: Ein pflanzlicher Warenkorb mit zwölf Produktkategorien ist erstmals im Durchschnitt günstiger als ein vergleichbarer tierischer. Die Studie hat gezielt das günstigste Preissegment untersucht. Vor drei Jahren lag der Preisaufschlag noch bei über 50 Prozent. Diese Lücke hat sich Schritt für Schritt geschlossen – und nun hat sich das Preisverhältnis erstmals umgekehrt. Besonders günstig, trotz steuerlicher Benachteiligung, ist Pflanzenmilch, die flächendeckend angeboten wird.

Bedeutet das: Das Preisproblem ist gelöst?

Preisparität bedeutet zunächst, dass der finanzielle Nachteil beim Kauf pflanzlicher Produkte verschwindet. Verbraucher*innen müssen sich nicht länger gegen ihr Portemonnaie entscheiden. Wirklich dynamisch wird die Nachfrageentwicklung, wenn pflanzliche Optionen spürbar günstiger sind als tierische Varianten. Noch deutlich teurer sind derzeit pflanzlicher Joghurt und Frischkäse sowie Fischalternativen. Interessant ist, dass vor allem die Verteuerung tierischer Produkte den durchschnittlichen Preisvorteil pflanzlicher Alternativen bewirkt hat.

Wird der Preis damit zum wichtigsten Hebel des pflanzlichen Proteinausbaus?

Die Preisgestaltung gehört zu den wichtigsten Instrumenten im Handel. Neben dem Preis entscheiden auch Geschmack und Verfügbarkeit darüber, welche Produkte im Einkaufswagen landen. Wenn das pflanzliche Produkt sensorisch nicht überzeugt oder im Regal oft fehlt, reicht ein günstigerer Preis alleine nicht aus.

Für wen sind Preisvorteile besonders relevant?

Liebenberg: Vor allem für die breite Mitte – Menschen, die sich flexitarisch ernähren und grundsätzlich offen für pflanzliche Produkte sind, aber situativ entscheiden, was sie kaufen. Genau hier wird der Preis entscheidend. Wenn tierische und pflanzliche Optionen gleich viel kosten, wird ihre Wahl deutlich offener.

Spiegeln die aktuellen Preise eigentlich die „wahren Kosten“ von Lebensmitteln wider?

Nein, eindeutig nicht. Umwelt- und Gesundheitskosten werden bislang kaum eingepreist. Die heutigen Preise spiegeln eher Marktmechanismen wider. Würden die Preise die gesellschaftlichen Kosten konsequent abbilden, würde der Preisabstand zwischen tierischen und pflanzlichen Produkten deutlich größer ausfallen.

Was bedeutet das für die kommenden Jahre?

Preisparität ist ein Kipppunkt. Jetzt geht es darum, die neue Normalität pflanzlicher Produkte zu stützen – durch bessere Verfügbarkeit, gute Produktqualität und klare Preisstrategien im Handel.

Ihr Fazit in einem Satz?

Der Preis gibt am Regal oft den Ausschlag – und Preisvorteile in allen Produktkategorien machen den pflanzlichen Einkauf endgültig zur Selbstverständlichkeit.

Bild: Dirk Liebenberg, ProVeg e.V.

Dr. Beate Gebhardt

Dr. Beate Gebhardt

Autorin und Forschungsberaterin

Dr. Beate Gebhardt ist Autorin und Forschungsberaterin, die in der Foodtech Now!-Redaktion Wissenschaft auf den Punkt und Nachhaltigkeit in die Praxis bringt.

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