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Interview mit Stefanie Moritz, Vereint Mehr.Wert e.V.

„Preise erzählen nur einen Teil der Wahrheit“

11.06.2026

Vereint Mehr.Wert e.V. wurde 2024 gegründet. Stefanie Moritz, verantwortlich für Marketing und Kommunikation, erklärt im Gespräch mit Beate Gebhardt, warum heutige Lebensmittelpreise ökologische Kosten oft ausblenden – und weshalb mehr Transparenz zu einem entscheidenden Hebel für nachhaltigere Kaufentscheidungen werden könnte. Erste Produkte mit dem Umwelt Mehr.Wert-Siegel sollen Anfang 2027 im Regal stehen.

Lesedauer: 2 Minuten

Stefanie Moritz
Bild: Stefanie Moritz von Vereint Mehr.Wert e.V.

Frau Moritz, Ihr Verein beschäftigt sich mit „Mehrwert“ und Umweltkosten von Produkten. Warum braucht es diesen Ansatz überhaupt?

Weil Preise heute nur einen Teil der Wahrheit erzählen. Die ökologischen Auswirkungen von Produkten – etwa auf Klima, Biodiversität oder Böden – spiegeln sich häufig nicht im Verkaufspreis wider. Unser Ziel ist es, diese Auswirkungen sichtbar zu machen und Unternehmen wie Verbraucher*innen eine fundiertere Entscheidungsgrundlage zu geben.

Sie sprechen von Umweltkosten. Bedeutet das automatisch: nachhaltigere Produkte werden teurer?

Nicht zwingend. Es kommt stark auf das Produkt an. Manche Unternehmen können Umweltkosten durch effizientere Prozesse oder Reduktionsmaßnahmen ausgleichen, ohne Preise deutlich anzuheben. Andere Produkte werden perspektivisch teurer werden müssen. Entscheidend ist: Nachhaltigkeit darf kein Wettbewerbsnachteil bleiben.

Wie verändert der Blick auf „wahre Kosten“ die Debatte um pflanzliche versus tierische Produkte?

Besonders tierische Produkte verursachen Umweltwirkungen, die heute gesellschaftlich getragen werden, statt sich im Preis widerzuspiegeln. Wenn Umweltkosten konsequent sichtbar oder eingepreist würden, wären viele pflanzliche Produkte im Vergleich deutlich wettbewerbsfähiger. Studien zeigen bereits: Pflanzliche Produkte würden oft nur marginal teurer, während konventionelle Fleischprodukte deutlich stärker betroffen wären. 

Bedeutet das: Lebensmittelpreise müssen künftig steigen?

Die Frage ist aus meiner Sicht komplexer. Es geht nicht nur darum, ob Lebensmittel teurer werden, sondern darum, wie Preise zustande kommen. Verbraucher*innen wissen heute oft gar nicht, welche Faktoren in einem Produktpreis stecken – von Werbung bis Umweltwirkungen. Mehr Transparenz könnte helfen zu verstehen, warum manche Produkte teurer sind und ob dieser Preis gerechtfertigt ist.

Kann ein Label tatsächlich Verhalten verändern?

Ich glaube ja – wenn es verständlich ist. Menschen treffen Entscheidungen besser, wenn sie Informationen intuitiv erfassen können. Unser Ziel ist deshalb eine verständliche Darstellung von Umweltwirkungen. 

Was braucht es, damit dieser Ansatz funktioniert?

Unternehmen brauchen praktikable Instrumente, um Umweltwirkungen zu messen und zu reduzieren. Und Verbraucher*innen müssen nachvollziehen können, warum sich Preise verändern. Gleichzeitig braucht es politische Anreize, damit nachhaltigere Produkte keinen Wettbewerbsnachteil haben.

Ihr Fazit in einem Satz?

Solange Umweltkosten unsichtbar bleiben, kann es keinen fairen Wettbewerb für nachhaltige Lebensmittel geben.

Dr. Beate Gebhardt

Dr. Beate Gebhardt

Autorin und Forschungsberaterin

Dr. Beate Gebhardt ist Autorin und Forschungsberaterin, die in der Foodtech Now!-Redaktion Wissenschaft auf den Punkt und Nachhaltigkeit in die Praxis bringt.

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