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Als Gina Benz aus der 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Köngen im Stuttgarter Speckgürtel 2018 ihr eigenes Startup gründete und ihm den Namen „Feinkostmanufaktur“ gab, ahnte sie noch nicht, dass sich daraus ein florierender Handwerksbetrieb mit inzwischen drei Standbeinen und 30 Mitarbeitern entwickeln würde.
Es war schon immer das Ziel der heute 32-Jährigen, ihre Energie statt in ein fremdes in ihr eigenes Unternehmen fließen zu lassen. Nach dem Abitur und einem Foodmanagement-Studium mit Bachelor-Abschluss an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn entschied sie sich deshalb, in die familieneigene Metzgerei einzusteigen. Bald schon stellte sie fest, dass ihr Entschluss richtig war: „Im Studium lernte ich zwar das ganze Spektrum an Lebensmitteln kennen, aber nur in der grauen Theorie und mit recht wenig praktischem Background.“ Die Fertigkeiten im Kuttern, Ausbeinen und Wurstmachen erwarb sie in einer Fleischerlehre – mit ihrem Vater Daniel Benz als Ausbilder. Die junge Frau schnitt als Jahrgangsbeste ab und absolvierte im Frühjahr 2019 einen Meisterkurs an der Fleischerschule in Augsburg, denn der Meistertitel war die Voraussetzung zur Gründung ihres Startups.
Vom Startup zur eigenen Produktion
In der Anfangsphase stellte Benz Fertiggerichte in Dosen und schwäbische Klassiker als frische Convenience-Produkte her. Rinderrouladen, Sauerbraten, saure Kutteln und Nieren, Puten- und Schweinegeschnetzeltes oder Sauce Bolognese gehörten ebenso zum Portfolio der „Feinkostmanufaktur“ wie Suppen und Saucen in Sterildärmen, außerdem hausgemachte Semmel-, Kartoffel-, Spinat- und Leberknödel in praktischen Hüllen. Neben der Konservenproduktion nahm Benz Partyservice- und Cateringaufträge an.
2021 kam mit der Corona-Pandemie die Wende: „Für einen Betrieb wie unseren, der über mehrere Standbeine verfügt, war sie Fluch und Segen zugleich“, resümiert die Jungunternehmerin. Denn während ihr Partyservice-Segment völlig brach lag, ging der Konservenbereich quasi durch die Decke. „Viele Neukunden lernten unsere Produkte kennen und wir fassten mit unserem Angebot gut Fuß.“
Nicht nur im geschäftlichen, auch in Benz' privatem Bereich gab es in dieser Zeit tiefgreifende Änderungen: Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Max Wörner, der ebenfalls Fleischermeister ist und zwei Geschäfte im Raum Herrenberg betreibt, stellte Gina Benz die Frage nach beider unternehmerischer Zukunft. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Konserven erweiterte das Paar seine Produktionsräume um eine komplett neue Wurstküche.
Sie befindet sich im Köngener Gewerbegebiet; der unmittelbare Autobahnanschluss bringt Vorteile mit sich. Produziert werden dort heute die Konserven sowie die klassischen Wurst- und Fleischwaren für die beiden Wörner-Läden und den Benz'schen Stammsitz in Köngen. 2024 kaufte Gina Benz das Geschäft ihrer Eltern Daniel und Monika Benz und begründet diesen Schritt so: „Aus Kostengründen und um Synergieeffekte zu nutzen, haben wir aus der Metzgerei und meinem gut funktionierenden Startup eine Firma gemacht, die Benz Metzgerei und Feinkost GmbH heißt.“ Sie selbst ist Geschäftsführerin und leitet gemeinsam mit drei Mitarbeiterinnen das Büro. Ihr Vater und Max Wörner haben beide Prokura.
Wachstum durch klare Entscheidungen
Daniel Benz geht ihr trotz seiner „Zielgeraden“ in Richtung Rente bei Personalführung, Qualitätskontrolle und in der praktischen Administration zur Hand. Benz' Lebensgefährte steht samstags im Laden und täglich mit drei weiteren Metzgermeistern, einem Gesellen und drei Azubis in der Produktion. Die Mitarbeiter im Wurstküchenteam sind im Schnitt 31 Jahre alt: „Das ist bemerkenswert jung“, freut sich Gina Benz.
Es gibt jede Menge Arbeit. Benz berichtet stolz: „Als meine Manufaktur noch in den Kinderschuhen steckte, belieferte ich eine kleine Anzahl von Einzelhändlern im nahen Umfeld. Heute verfügen wir hier im Südwesten über zentrale Listungen bei Edeka und Rewe und fassen derzeit bei Kaufland Fuß.“ Um noch wirtschaftlicher zu werden und die dafür benötigten Produktionskapazitäten zu schaffen, strich sie ihr gesamtes Sortiment rigoros zusammen: Ladenhüter bei den Fertiggerichten flogen ebenso aus dem Programm wie die überhaupt nicht funktionierenden vegetarischen Artikel oder Produkte mit deutlich zu geringen Margen. Stattdessen erweiterte sie die bestens nachgefragte Palette an Wurstdosen auf jetzt knapp 20 Sorten in verschiedenen Größen von 125 bis 390 Gramm.
Die Partnerschaft mit den großen Einzelhändlern erleichtert vieles: „Das lästige Klinkenputzen, um neue Kunden anzuwerben, fällt für mich weg“, merkt Benz an. Heute beschäftigt sie ein Außendienstteam, das neue Abnehmer akquiriert und in den Märkten nach dem Rechten schaut. Und: Beim Einkauf von Fleisch, Gewürzen, Därmen und Hüllen ist sie in einer deutlich vorteilhafteren Position als früher. „Wir kaufen in so großen Mengen ein, dass wir viel besser über die Preise verhandeln können.“ Ihr regionales Putenfleisch etwa bezieht sie heute statt über den teureren Großhandel direkt von der Schlachterei. Sie ist der Meinung, dass kleine Betriebe Synergien oft nicht nutzen, obwohl sie eigentlich vorhanden wären. Bestes Beispiel ist die Belieferung von Kollegenbetrieben, die Benz gern ausbauen würde. „Es funktioniert aber nur teilweise, denn im Schwabenland sind die Menschen ziemlich eigen. Jeder glaubt, er produziert die beste Wurst selber.“ Dabei benötige man gerade für die Konservenherstellung Autoklaven und Verschließmaschinen – teure Gerätschaften, deren Anschaffung gut überdacht werden müsse. Benz' Empfehlung, Nischenprodukte wie ihre Dosen zuzukaufen, verpufft allzu oft ungehört.
Der Blick nach vorn
Apropos Unternehmensgröße: Benz und Wörner diskutieren oft darüber, ob eine Rückkehr zum Familienbetrieb oder weiteres Wachstum für sie das richtige Zukunftsmodell ist. In den Überlegungen spielt der Wunsch nach einer Arbeitszeit von Montag bis Freitag eine gewichtige Rolle. Den äußern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Jungunternehmer würden ebenfalls gern freie Wochenenden mit der gemeinsamen dreijährigen Tochter verbringen. „Je weiter wir uns in Richtung eines spezialisierten Konservenherstellers bewegen, umso näher rücken wir an dieses Ziel heran“, weiß Benz und hebt hervor, dass der Samstag in der Metzgerei schon lange nicht mehr der Hauptverkaufstag ist. Den Partyservice – ohnehin ein Saisongeschäft – hat sie bereits heruntergefahren: Für samstägliche Feiern nimmt sie noch Aufträge an, sonntags nur für Veranstaltungen und Feste ab 50 Personen aufwärts.
Bild Header: KI generiert
Menschen im Fleischerhandwerk
Ähnlich vielfältig wie die Aufgaben im Fleischerhandwerk sind die Menschen, die mit Fleisch arbeiten und Fleischprodukte verkaufen.
Unsere weltweite Serie porträtiert kreative und geschickte Köpfe vom Traditionsmetzger bis zum Quereinsteiger.
Die Serie entsteht gemeinsam mit unserem Partner Guter Genuss.