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Menschen im Fleischerhandwerk

Alles aus einer Hand: Metzgerei Reichenbach im Glottertal

18.06.2026

Wer ins Glottertal kommt, denkt vielleicht zuerst an die Schwarzwaldklinik oder an den Wein, der an den Hängen der Region wächst. Für viele Menschen im Großraum Freiburg ist jedoch auch ein anderer Name eng mit dem Tal verbunden: Reichenbach.

Lesedauer: 4 Minuten

Seit über 65 Jahren ist die Metzgerei Reichenbach hier zu Hause. Aus einer kleinen Familienfleischerei ist ein handwerklich geprägtes Unternehmen geworden, das in der Region einen festen Platz hat.

Schritt für Schritt gewachsen

Ulrich Reichenbach mit Bulle
Ulrich Reichenbach

Den Grundstein legten Max und Anneliese Reichenbach, als sie 1960 die Metzgerei Muckle im Glottertal, Max‘ Lehrbetrieb, übernahmen. Bereits zuvor betrieben die beiden eine eigene Schweinezucht in Opfingen. Daraus entstand ein Konzept, das damals ungewöhnlich war und bis heute konsequent verfolgt wird. Die zunächst überschaubare Fleischerei entwickelte sich schnell weiter. So kam 1962 die erste mobile Verkaufsstelle auf dem Freiburger Münstermarkt hinzu, 1976 die erste Filiale außerhalb des Glottertals in Gundelfingen. 

Anfang der 1990er-Jahre übernahm dann der 22-Jährige Ulrich Reichenbach den Betrieb von seinen Eltern. Kurz darauf entstand im Gewerbegebiet am Ortseingang des Glottertals ein moderner Produktionsbetrieb mit Verkaufsraum; der Betrieb war zu diesem Zeitpunkt bereits als EU-Betrieb für Schlachtung, Zerlegung und Produktion zugelassen. Dieser Verkaufsraum wurde 2012 dann neu gestaltet und mit umweltfreundlicher Kühltechnik, Photovoltaikanlage und innovativen Reiferäumen ausgestattet. Wer heute die Hauptfiliale betritt, sieht geräucherte Würste, eine gut bestückte Frischfleischauslage und einen Betrieb, der seine Arbeit nicht versteckt. „Wir haben keine anonyme Produktion hinter verschlossenen Türen. Der Verbraucher kann und soll sehen, wie ein gesundes Lebensmittel produziert wird. Nur so entsteht auch Wertschätzung für das Produkt“, erklärt der Betriebsinhaber. 

Vom Weidegrund über die Ladentheke zum 24/7-Laden

Das Herzstück der Reichenbach-Philosophie lässt sich knapp zusammenfassen: alles aus einer Hand. In der Umsetzung ist das jedoch alles andere als selbstverständlich. Rinder und Schweine wachsen artgerecht auf, auf Weiden und in Naturschutzgebieten des Schwarzwalds sowie in großzügigen Tierwohlställen ohne Anbindehaltung. Gefüttert wird mit gentechnikfreiem, hofeigenem Futter. 2020 wurde in Kooperation mit der Familie Engler in Buggingen und mit Planungsunterstützung der Universität Hohenheim das „erste Schweinehotel in Süddeutschland“ bezogen – ein Tierwohlstall mit höchster Haltungsstufe. 2021 folgte ein neuer Tierwohlstall auf dem Landwirtschaftsbetrieb im Glottertal.

Geschlachtet wird im eigenen, nach EU-Standard zertifizierten Betrieb im Glottertal. Verkauft werden die fertigen Produkte ausschließlich an den eigenen Theken – nicht im Supermarkt und nicht beim Discounter. Neben der Hauptfiliale im Glottertal betreibt Reichenbach weitere Dorfmetzgereien, mobile Verkaufsstellen auf Wochenmärkten der Region und einen Onlineshop. Aus dem Versand entstand 2020 die eigene Onlinemarke „Der Schwarzwälder“, die bundesweit aktiv ist und auch Frischfleisch versendet. 2023 eröffnete im Glottertal der erste Reichenbach-24-Stunden-Shop, laut Unternehmensseite der erste 24-Stunden-Metzgershop Baden-Württembergs; 2024 folgte ein weiterer Selfservice-Metzgershop in Oberbergen am Kaiserstuhl.

Tierhaltung mit Verantwortung

Nicht alle Tiere stammen aus eigener Aufzucht. Rund 150 ausgewählte Partnerbetriebe aus der Region beliefern Reichenbach. Entscheidend ist dabei, dass für alle dieselben Grundsätze gelten: artgerechte Haltung, regionales Futter und kurze Wege. Diese Zusammenarbeit mit kleinbäuerlichen Betrieben steht für Verlässlichkeit und für ein Wirtschaften, das über den eigenen Betrieb hinausreicht. 2022 wurde auf den Landwirtschaftsflächen des Freiburger Mundenhofs zudem eine eigene Wagyu-Zucht aufgebaut; die Produkte werden unter dem Markennamen Black Forest Wagyu vertrieben. 

Als zertifizierter Partner des Naturparks Südschwarzwald versteht Reichenbach Regionalität nicht als Werbeversprechen, sondern als Teil der täglichen Arbeit. Die Pflege der Schwarzwälder Natur- und Kulturlandschaft, die Unterstützung regionaler Landwirtschaft und Tierwohl aus Überzeugung prägen den Betrieb. Seit 2020 ist Reichenbach außerdem durchgehend als Betrieb für gesicherte Nachhaltigkeit durch das Deutsche Institut für Nachhaltigkeit und Ökonomie zertifiziert. 

Ganztierverwertung konsequent weitergedacht

Ein weiterer Schritt in Richtung konsequente Ganztierverwertung ist die Gründung der Schwarzwälder Tierfuttermanufaktur GmbH im vergangenen Jahr. Am Kaiserstuhl entsteht dafür eine eigene Produktionsstätte. Der Gedanke dahinter passt zum bisherigen Konzept des Betriebs: möglichst viel vom Tier sinnvoll zu verwerten und hochwertige Rohstoffe nicht ungenutzt zu lassen. Was nicht an der Fleischtheke verkauft wird, kann so zu Tierfutter weiterverarbeitet werden. Damit wird der Anspruch, Verantwortung vom Hof bis zur Verwertung zu übernehmen, noch einmal erweitert.

Tradition und moderne Technik

Ulrich Reichenbach präsentiert frisches Fleisch am Messestand

„Was heute Trend ist, ist bei uns Tradition“, sagt Ulrich Reichenbach. Gemeint sind Transparenz, kurze Lieferketten, Direktvertrieb und Tierwohl. Bei Reichenbach gehören diese Themen seit Jahrzehnten zum Betrieb. Die Rezepturen einiger Wurst- und Schwarzwälder Spezialitäten reichen über 100 Jahre zurück und werden bis heute gepflegt.

Gleichzeitig hat der Betrieb immer wieder in moderne Technik investiert: in Verarbeitung, Kühlung, Logistik, Photovoltaik und umweltfreundliche Kühlanlagen. Die höheren Produktionskosten, die dieses Konzept mit sich bringt, werden durch den Direktvertrieb und den Wegfall des Zwischenhandels abgefedert. Bereits 2014 wurde die Metzgerei Reichenbach mit dem Sonderpreis für Nachhaltigkeit und Umwelttechnik ausgezeichnet. Dieser Weg wird bis heute fortgeführt. So nahm der Betrieb vor drei Jahren das erste vollelektrische Kühlfahrzeug Deutschlands in Betrieb und erweiterte im vergangenen Jahr seine Photovoltaikfläche auf über 280 kWp.

Einblick erwünscht

Wer die Metzgerei Reichenbach besucht, findet mehr als einen Verkaufsraum. Zum Angebot gehören auch Partyservice, Mittagstisch und die Möglichkeit, private Feste in den eigenen Räumen zu feiern. Und wer genauer wissen möchte, wie Weide, Stall, Schlachtung und Wurst zusammenhängen, kann Einblicke in den Betrieb bekommen. So wird sichtbar, was gutes Fleischerhandwerk ausmacht: Herkunft, Können und Verantwortung.


Alle Bilder: Metzgerei Reichenbach

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Dieser Text ist zuerst auf der Website von Guter Genuss erschienen. Guter Genuss ist ein Blog des Deutschen Fleischerhandwerks, der kulinarische Inspiration mit verständlichem Fachwissen verbindet. Im Mittelpunkt stehen saisonale Rezepte, Informationen zu Fleisch- und Wurstwaren sowie Geschichten aus handwerklichen Betrieben in Deutschland. So vermittelt der Blog nicht nur Genuss, sondern auch Wissen über Qualität, Herkunft und die Bedeutung regionalen Lebensmittelhandwerks.

Menschen im Fleischerhandwerk

Eine Hackebeil liegt auf einem Holzblock

Ähnlich vielfältig wie die Aufgaben im Fleischerhandwerk sind die Menschen, die mit Fleisch arbeiten und Fleischprodukte verkaufen.
Unsere weltweite Serie porträtiert kreative und geschickte Köpfe vom Traditionsmetzger bis zum Quereinsteiger.

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