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Neue LCA-Methode für Proteinquellen

Systemerweiterung statt Kilovergleich

01.10.2026

Wie lassen sich die Klimaauswirkungen verschiedener Proteinquellen fair vergleichen? Eine Studie in Scientific Reports stellt eine Methode vor, die nicht das Produktgewicht, sondern die tatsächliche Ernährungsfunktion von Lebensmitteln in den Mittelpunkt rückt.

Lesedauer: 3 Minuten

Charakter der Publikation: Wissenschaftlicher Fachartikel
Herausgeber: Scientific Reports (Springer Nature)
Autoren: Ilkka Leinonen, Pasi Korkalo, Sanna Hietala, Kirsi Usva, Merja Saarinen
Auftraggeber/Förderung: Aviagen
Geografischer Fokus: Methodenentwicklung mit Datengrundlagen überwiegend aus Finnland
Erscheinungsjahr: 2025
Zielgruppe: Forschung, Life-Cycle-Assessment-(LCA)-Fachleute, Lebensmittelwirtschaft, Nachhaltigkeits- und Ernährungsexperten 

Worum geht es?

Die Studie beschäftigt sich mit einer zentralen Frage der Nachhaltigkeitsbewertung von Lebensmitteln: Welche Funktion muss ein Lebensmittel erfüllen, damit sein Umweltfußabdruck sinnvoll mit anderen Lebensmitteln verglichen werden kann? 

Nach Ansicht der Autoren greifen viele bisherige Vergleiche zu kurz, weil sie auf Kilogramm Produkt, Energiegehalt oder Rohproteingehalt basieren. Diese Kennzahlen beschreiben zwar Mengen, erfassen jedoch nicht vollständig die ernährungsphysiologische Funktion unterschiedlicher Lebensmittel. 

Die vorgestellte Methode erweitert deshalb den klassischen LCA-Ansatz um eine sogenannte Systemerweiterung. Im Mittelpunkt steht die Versorgung mit essenziellen und bedingt essenziellen Aminosäuren. Gleichzeitig wird berücksichtigt, dass viele Proteinquellen zusätzlich Energie liefern und damit ebenfalls eine ernährungsrelevante Funktion erfüllen. 

Die wichtigsten Inhalte

Aminosäuren statt Rohprotein als Vergleichsbasis

Als funktionelle Einheit definiert die Studie 1 % des täglichen Bedarfs eines 75 Kilogramm schweren Erwachsenen an allen essenziellen und bedingt essenziellen Aminosäuren. Entscheidend ist damit nicht die gesamte Proteinmenge, sondern die Fähigkeit eines Lebensmittels, ein ausgewogenes Aminosäurenprofil bereitzustellen. 

Die Autoren zeigen, dass sich dadurch teils deutlich unterschiedliche benötigte Produktmengen ergeben, weil Proteinquellen sowohl hinsichtlich Proteingehalt als auch Aminosäurezusammensetzung voneinander abweichen. 

Energie wird als zusätzliche Funktion berücksichtigt

Ein zentrales Merkmal der Methode ist die Behandlung des Energiegehalts als weitere Funktion des Lebensmittels. Viele Proteinquellen liefern neben Aminosäuren auch Fett oder Kohlenhydrate und damit metabolisch nutzbare Energie. 

Um diese Mehrfachfunktion abzubilden, wird im Modell Pflanzenöl als Referenz-Energiequelle eingesetzt. Lebensmittel mit höherem Energiegehalt „ersetzen“ rechnerisch einen Teil dieser Energiequelle. Der entsprechende Beitrag wird über die Systemerweiterung in die Klimabilanz integriert. 

Unterschiedliche Ergebnisse je nach Proteinquelle

Die Fallstudie vergleicht unter anderem Rindfleisch, Schweinefleisch, Geflügel, Milchprodukte, Eier, Sojabohnen, Erbsen, Quinoa und Mandeln. Die Autoren berichten deutliche Unterschiede beim Treibhauspotenzial der untersuchten Proteinquellen. 

Während bei mehreren pflanzlichen Proteinquellen vergleichsweise niedrige Werte ermittelt werden, zeigen einige tierische Produkte höhere Klimawirkungen. Die Studie verdeutlicht zugleich, dass Ergebnisunterschiede nicht allein auf Produktionssysteme zurückzuführen sind, sondern auch auf Aminosäureprofil, Energiegehalt und die dafür benötigten Produktmengen. 

Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Nutritional LCA

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Methodik selbst. Die Autoren argumentieren, dass Ernährungs-LCA-Ansätze (Nutritional Life Cycle Assessment, nLCA) zusätzliche Funktionen von Lebensmitteln häufig nicht vollständig erfassen. Die Systemerweiterung könne hier einen Weg bieten, neben Aminosäuren auch weitere Nährstofffunktionen konsistent in Umweltbewertungen einzubeziehen. 

Warum lohnt sich ein Blick in die Publikation?

Die Publikation richtet den Fokus auf eine grundlegende Methodikfrage, die weit über den Vergleich einzelner Proteinquellen hinausgeht: Was genau soll ein Lebensmittel im Rahmen einer Umweltbewertung leisten? 

Leser finden hier keine weitere Rangliste von Lebensmittelgruppen, sondern einen Vorschlag, wie die Funktionen von Lebensmitteln systematischer in Umweltanalysen integriert werden können. Dabei werden bestehende Ansätze der Nutritional LCA kritisch eingeordnet und um eine Perspektive ergänzt, die Aminosäuren und Energie gemeinsam betrachtet. Die Studie eröffnet damit eine Diskussion darüber, wie zukünftige Nachhaltigkeitsbewertungen entlang der Proteinwertschöpfungskette gestaltet werden könnten. 

Hier direkt weiterlesen (nur auf Englisch verfügbar):

* Transparenzhinweis: Die Auswahl der vorgestellten Publikationen erfolgt kuratiert durch die Redaktion von Foodtech Now! auf Basis ihrer Relevanz für die internationale Proteinwirtschaft. Analyse und Erstellung dieses Artikels wurden mit Unterstützung künstlicher Intelligenz auf Grundlage der Originalpublikation durchgeführt. Der Beitrag dient als Orientierung und ersetzt die vollständige Lektüre der Originalpublikation nicht. Maßgeblich für Inhalte und Aussagen bleibt stets die Originalquelle.

Header Bild: iStock | Bulat Silvia

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